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Wort zum Sonntag

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Wort zum Sonntag
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Jeden Samstag erscheint im Weilburger Tageblatt die Seite "Momente", auf der ein katholischer oder evangelischer Seelsorger oder Seelsorgerin einen geistlichen Impuls in der Rubrik "Moment mal" schreibt.

Hier können Sie die aktuellen Impulse unseres Pastoralteams nachlesen.
Ältere Beiträge finden Sie im Archiv.

Die Tage in Jerusalem nähern sich dem leidvollen Ende. Jesus kennt seinen Auftrag. Vor ein paar Tagen ist er triumphierend in die Stadt eingezogen. Er hat den Tempelhändlern mal richtig die Meinung gesagt und ihre Tische umgeworfen. Er war bei seinen Freunden Maria, Magdalena und Lazarus zu Gast. Und heute will er noch ein letztes Mahl mit seinen Jüngern einnehmen, bevor es dann morgen ernst und er am Kreuz sterben wird.
Doch wie würde die biblische Geschichte im Coronajahr 2020 aussehen? Keine Menschen, die sich versammeln, sondern das Ganze als Livestream im Internet verfolgen. 
Ein einsamer Einzug ohne Menschen am Strassenrand. Das Treffen bei den Freunden wird abgesagt. Es ist schließlich die Zeit des #wirbleibenzuhause. Und einen Saal für das Mahl finden? Nahezu unmöglich für eine dreizehnköpfige Gruppe. Die Bürgerhäuser sind bis in die Zeit nach dem Pessahfest geschlossen. Aber ein Gutes hätte es für Jesus wahrscheinlich auch: Die Gerichtsverhandlung und die Vollstreckung des Urteils würden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Wobei: Dann könnte er den Auftrag seines Vaters, die Menschen von der Schuld zu befreien, nicht erfüllen.
Die Heilsgeschichte im Jahr 2020.
Die Tage von Gründonnerstag bis Ostern sind in ihrer Ausgestaltung ganz anders, als wie wir sie kennen. Doch Jesus kommt auch in diese Zeit. Er, der menschgewordene Sohn Gottes, lässt uns nicht im Stich. Er bricht uns auch in diesen schweren Tagen das Brot. Er schenkt sich uns auch heute ganz. So, wie er schon zu seinen Lebzeiten fragte: „Was soll ich Dir tun? Was brauchst du, um ein gelingendes Leben zu haben?“, genau so fragt er uns das auch heute.
Viele Menschen helfen sich in diesen Tagen. In den meisten Dörfern haben sich Netzwerke gebildet, wo der Eine auf den Anderen achtet. Gassigeh-Service oder Einkaufshilfen für denjenigen, der das Haus nicht verlassen kann.
Jesus kommt zu uns. Er schenkt sich uns auch morgen an Gründonnerstag. Sein Brot ist mehr als das, was wir beim Bäcker kaufen können. Es ist die Speise für die Seele. Wenn wir das Brot des Bäckers essen, werden wir nach einiger Zeit wieder Hunger bekommen. Wenn wir dagegen das Brot des Herrn zu uns nehmen, dann wird unsere Seele satt. Normalerweise empfangen wir den Herrn in der Hostie. Dies ist in diesem Jahr jedoch nicht möglich. Aber es gibt auch die geistige Kommunion. 
Wenn wir aus dem Glauben an Jesus heraus leben, dann bekommen wir auch in dieser Krisenzeit die Speise, die wir brauchen. Selbst, wenn wir uns nicht an Gründonnerstag in der Kirche zur Eucharistie treffen.
 

Jesus zieht in Jerusalem ein. Die Menschen laufen aus ihren Häusern auf die Straße und jubeln ihm zu. „Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg“, lesen wir im heutigen Tagesevangelium.

Käme er heute in unsere Dörfer, wäre keiner am Straßenrand. Ich vermute, dass diese Ankunft eher per Livestream im Internet und in den sozialen Netzwerken gestreamt würde. Die Menschen wären dabei, ohne wirklich dabei zu sein.
Die Coronakrise hat unser gesellschaftliches Leben komplett zum Erliegen gebracht. Kein Mensch mehr auf den Straßen, kein Konzert in vollen Hallen oder Fußball im Stadion. Die ganzen kleinen und großen Krisen, die die Familien in dieser Zeit durchleben müssen, weil sie nicht wissen, was die Zukunft bringen wird.
Und trotzdem bin ich mir sicher, dass Jesus auch im Jahre 2020 in unsere Stadt gekommen wäre. Vielleicht alleine oder in Begleitung nur eines Jüngers wegen der Ausgangsbeschränkung. Aber er wäre gekommen. Er lässt die Menschen, die auf ihn vertrauen, nicht alleine. Er geht auf sie zu und er geht mit ihnen mit. Jesus weiß, welche Hoffnung die Menschen in ihn setzen – und er kennt auch die Hoffnung, die Gott, sein Vater, in ihn setzt. Jesus ist bereit, alles Leid der Welt auf sich zu nehmen. Er trägt somit am Leid jedes einzelnen Menschen.
Heute feiern wir in der Kirche den Einzug Jesu in Jerusalem. Es ist der letzte umjubelte öffentliche Auftritt vor dem schweren Kreuzgang. Vor Gericht wird sich die Stimmung wandeln. Die, die jetzt noch „Hosanna“ schreien, werden dann „ans Kreuz mit ihm“ grölen. Und auch in dieser bitteren Stunde wird Christus noch für sie beten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
2020 stellt uns vor besondere Herausforderungen – auch im Glauben. Palmsonntag, die Karwoche und Ostern nicht in der Kirche, sondern „nur“ zu Hause im engsten Familienkreis, zu feiern, war noch vor ein paar Wochen außerhalb jeder Vorstellung. Und doch wird es in diesem Jahr so sein. An Karfreitag und Ostersonntag laden wir Sie ein, aufgezeichnete ökumenische Gottesdienste über Streams bei Weilburg-TV oder heiligkreuz-oberlahn.de mitzufeiern. Und so vielleicht doch ein wenig von der verbindenden Liebe Gottes zu spüren. Jesus kommt zu uns – auch in dieser krisenhaften Zeit.
 

„Jetzt habe ich aber genug! – Schluss damit! – Das lass ich mir nicht gefallen!“ Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen. Eine Grenze zu ziehen, das kann manchmal lebensnotwendig sein. Und das ist vor allem für diejenigen schwer, die nicht gelernt haben, NEIN zu sagen. Ja-Sagen und die Erwartungen der Anderen erfüllen, ist meist einfacher „Nein!“ schon eine echte Herausforderung werden, vor allem, wenn ich abhängig bin und Konsequenzen befürchten muss. Manche brauchen ein regelrechtes Lernprogramm, um mit gutem Gewissen Nein zu sagen. Wer nun gerade auf Diejenige, die sich im Nein-Sagen übt, oder auf prinzipielle Nein-Sager trifft, muss ertragen, wie schwer Verständigung dann sein kann. Dann beginnt jede Antwort mit einer Verneinung oder Abgrenzung. Manchmal mache ich mir dann den Spaß und behaupte im nächsten Satz das Gegenteil – sozusagen als Experiment, ob es hier um den Inhalt oder das Prinzip geht. Meine Erfahrung: meist folgt wieder eine Verneinung… Und tatsächlich; ein Nein zeigt (meist) eine stärkere Wirkung als ein Ja. Denn es kommt meist unvermutet und überraschend, irritiert das Gegenüber und setzt den Nein-Sager in eine bedeutende, wissende Position; hier ist einer der sich besser auskennt, der weiß, wo es lang geht. Unsichere oder Untergebene geben keine „Wider-Worte“. Die Abgrenzung lässt sich noch bis hin zu Angriffen steigern und ist sehr aktuell; von Unterstellungen, Beleidigungen bis zu Wutausbrüchen, von persönlichen, verbalen Attacken, (gerne im Netz oder in Leserbriefen) bis zu aggressiven Übergriffen wahllos auch gegenüber Unbeteiligten. Wieviel Frust und Ärger muss sich dahinter angestaut haben und wie wenig soziale Verhaltensweise und Selbstkontrolle sind noch vorhanden. Hier würde uns die Wiederentdeckung und Durchsetzung der Sekundärtugenden wie Höflichkeit, Achtung usw. gesellschaftlich gut tun. Die Bibelstelle, die heute im kath. Gottesdienst vorgelesen wird, handelt auch von einer Grenzüberschreitung; dort wird (in der Bergpredigt) erzählt, wie Jesus die sozialen Verhaltensregeln verschärft, mit denen gläubige Juden ihre Beziehung auch zu Gott leben; nicht erst der verletzende Angriff auf den Anderen ist verwerflich, sondern schon die halb-verschluckte Beleidung ihm gegenüber. Danach sind wir schon für unsere innere Haltung dem Anderen gegenüber verantwortlich. Und daraus erwachsen unsere Handlungen, in die eine oder andere Richtung.

Gesicht zeigen, hingehen, sehen, verstehen, wissen und sich kennen helfen mehr als Mouseclicks, Befehle oder Bomben.

Soleimani zeigte Gesicht, redete und schaffte dem Iran Verbündete. Trump ließ ihn umbringen. Gewalt fordert Gegengewalt, sich kennen, verstehen und helfen schafft Frieden.

Facebook. Tausend Freunde von „Kenne ich ganz gut“ bis „Den habe ich schon mal gesehen“ zeigen Gesicht. Ich bin besser erreichbar. Von „Ich hätte mal eine Frage“ über „Frohe Weihnachten“ bis „Kannst du im Sommer unsere Hochzeit halten?“ war schon alles dabei.

Gesicht zeigen auch Jesus und Johannes der Täufer. Auch ich habe wenig von Jesus gesehen, lesen wir im ersten Kapitel des Johannesevangeliums. Gemeint ist, was nach dem Sehen bleibt: „Ich kannte ihn kaum.“ – obwohl die beiden verwandt sind. Wie bei Facebook-Freunden so gibt es auch Verwandte, die man kennt und mag, und andere eben weniger.

„Ich kannte Jesus nicht“, doch „Seht“, hören wir, „das Lamm Gottes.“ Als Jesus am Jordan sein Gesicht zeigt, beginnt was Neues. Vor der Taufe Jesu erklärt Gott dem Johannes: Auf wen du den Heiligen Geist herabkommen siehst, der ist es, der tauft mit Heiligem Geist. Johannes sieht und bezeugt: Er ist es, ihn hat Gott ausgesucht.

Wo wir zu Jesus gehen, finden wir ihn auch, im Beten, Stillsein und Handeln. Wo wir hinsehen, entdecken wir ihn, für uns und unser Leben. Die Taufe Jesu ist ein erstes Eintauchen. In der Bibel hören wir mehr. Wenn wir entsprechend leben, erfahren wir ihn.

Wo wir um Jesus wissen und ihn schätzen, prägt er uns. Weil wir die Fragen unseres Lebens auf seine Weise ansehen, blicken wir auch bei uns selber tiefer und anders durch, so wie Johannes bezeugt: Der Geist kam vom Himmel herab und blieb auf Jesus. Er ist es. Er ist der, auf den es ankommt.

Und das wirkt. Wo wir, wie Jesus, einander Gesicht zeigen, einfach hingehen, hören, sehen und verstehen, da blicken wir tiefer, bei einem Kranken, einem Freund, einem, mit dem wir was klären. Von Angesicht zu Angesicht verstehen und merken wir, wie es dem anderen geht, was ihn beschäftigt und was wir tun können. Auf einem gemeinsamen Weg wächst, was uns verbindet.

Befehle oder Bomben führen auseinander. Mouseclicks, Mails und WhatsApp versöhnen nicht. Wie Jesus wollen wir hingehen, sehen, wissen und helfen.