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Wort zum Sonntag

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Wort zum Sonntag
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Jeden Samstag erscheint im Weilburger Tageblatt die Seite "Momente", auf der ein katholischer oder evangelischer Seelsorger oder Seelsorgerin einen geistlichen Impuls in der Rubrik "Moment mal" schreibt.

Hier können Sie die aktuellen Impulse unseres Pastoralteams nachlesen.
Ältere Beiträge finden Sie im Archiv.

„Jetzt habe ich aber genug! – Schluss damit! – Das lass ich mir nicht gefallen!“ Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen. Eine Grenze zu ziehen, das kann manchmal lebensnotwendig sein. Und das ist vor allem für diejenigen schwer, die nicht gelernt haben, NEIN zu sagen. Ja-Sagen und die Erwartungen der Anderen erfüllen, ist meist einfacher „Nein!“ schon eine echte Herausforderung werden, vor allem, wenn ich abhängig bin und Konsequenzen befürchten muss. Manche brauchen ein regelrechtes Lernprogramm, um mit gutem Gewissen Nein zu sagen. Wer nun gerade auf Diejenige, die sich im Nein-Sagen übt, oder auf prinzipielle Nein-Sager trifft, muss ertragen, wie schwer Verständigung dann sein kann. Dann beginnt jede Antwort mit einer Verneinung oder Abgrenzung. Manchmal mache ich mir dann den Spaß und behaupte im nächsten Satz das Gegenteil – sozusagen als Experiment, ob es hier um den Inhalt oder das Prinzip geht. Meine Erfahrung: meist folgt wieder eine Verneinung… Und tatsächlich; ein Nein zeigt (meist) eine stärkere Wirkung als ein Ja. Denn es kommt meist unvermutet und überraschend, irritiert das Gegenüber und setzt den Nein-Sager in eine bedeutende, wissende Position; hier ist einer der sich besser auskennt, der weiß, wo es lang geht. Unsichere oder Untergebene geben keine „Wider-Worte“. Die Abgrenzung lässt sich noch bis hin zu Angriffen steigern und ist sehr aktuell; von Unterstellungen, Beleidigungen bis zu Wutausbrüchen, von persönlichen, verbalen Attacken, (gerne im Netz oder in Leserbriefen) bis zu aggressiven Übergriffen wahllos auch gegenüber Unbeteiligten. Wieviel Frust und Ärger muss sich dahinter angestaut haben und wie wenig soziale Verhaltensweise und Selbstkontrolle sind noch vorhanden. Hier würde uns die Wiederentdeckung und Durchsetzung der Sekundärtugenden wie Höflichkeit, Achtung usw. gesellschaftlich gut tun. Die Bibelstelle, die heute im kath. Gottesdienst vorgelesen wird, handelt auch von einer Grenzüberschreitung; dort wird (in der Bergpredigt) erzählt, wie Jesus die sozialen Verhaltensregeln verschärft, mit denen gläubige Juden ihre Beziehung auch zu Gott leben; nicht erst der verletzende Angriff auf den Anderen ist verwerflich, sondern schon die halb-verschluckte Beleidung ihm gegenüber. Danach sind wir schon für unsere innere Haltung dem Anderen gegenüber verantwortlich. Und daraus erwachsen unsere Handlungen, in die eine oder andere Richtung.

Gesicht zeigen, hingehen, sehen, verstehen, wissen und sich kennen helfen mehr als Mouseclicks, Befehle oder Bomben.

Soleimani zeigte Gesicht, redete und schaffte dem Iran Verbündete. Trump ließ ihn umbringen. Gewalt fordert Gegengewalt, sich kennen, verstehen und helfen schafft Frieden.

Facebook. Tausend Freunde von „Kenne ich ganz gut“ bis „Den habe ich schon mal gesehen“ zeigen Gesicht. Ich bin besser erreichbar. Von „Ich hätte mal eine Frage“ über „Frohe Weihnachten“ bis „Kannst du im Sommer unsere Hochzeit halten?“ war schon alles dabei.

Gesicht zeigen auch Jesus und Johannes der Täufer. Auch ich habe wenig von Jesus gesehen, lesen wir im ersten Kapitel des Johannesevangeliums. Gemeint ist, was nach dem Sehen bleibt: „Ich kannte ihn kaum.“ – obwohl die beiden verwandt sind. Wie bei Facebook-Freunden so gibt es auch Verwandte, die man kennt und mag, und andere eben weniger.

„Ich kannte Jesus nicht“, doch „Seht“, hören wir, „das Lamm Gottes.“ Als Jesus am Jordan sein Gesicht zeigt, beginnt was Neues. Vor der Taufe Jesu erklärt Gott dem Johannes: Auf wen du den Heiligen Geist herabkommen siehst, der ist es, der tauft mit Heiligem Geist. Johannes sieht und bezeugt: Er ist es, ihn hat Gott ausgesucht.

Wo wir zu Jesus gehen, finden wir ihn auch, im Beten, Stillsein und Handeln. Wo wir hinsehen, entdecken wir ihn, für uns und unser Leben. Die Taufe Jesu ist ein erstes Eintauchen. In der Bibel hören wir mehr. Wenn wir entsprechend leben, erfahren wir ihn.

Wo wir um Jesus wissen und ihn schätzen, prägt er uns. Weil wir die Fragen unseres Lebens auf seine Weise ansehen, blicken wir auch bei uns selber tiefer und anders durch, so wie Johannes bezeugt: Der Geist kam vom Himmel herab und blieb auf Jesus. Er ist es. Er ist der, auf den es ankommt.

Und das wirkt. Wo wir, wie Jesus, einander Gesicht zeigen, einfach hingehen, hören, sehen und verstehen, da blicken wir tiefer, bei einem Kranken, einem Freund, einem, mit dem wir was klären. Von Angesicht zu Angesicht verstehen und merken wir, wie es dem anderen geht, was ihn beschäftigt und was wir tun können. Auf einem gemeinsamen Weg wächst, was uns verbindet.

Befehle oder Bomben führen auseinander. Mouseclicks, Mails und WhatsApp versöhnen nicht. Wie Jesus wollen wir hingehen, sehen, wissen und helfen.