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Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag
Wort zum Sonntag
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Jeden Samstag erscheint im Weilburger Tageblatt die Seite "Momente", auf der ein katholischer oder evangelischer Seelsorger oder Seelsorgerin einen geistlichen Impuls in der Rubrik "Moment mal" schreibt.

Hier können Sie die Impulse aus unserem Pastoralteam seit April 2019 nachlesen.

Die schönste Zeit im Leben ist jetzt, bestätigen die beiden. Sie haben ihrem gemeinsamen Freund beim Umzug geholfen, haben seinen Geburtstag gefeiert, kennen und mögen sich. Doch sie wohnten weit auseinander, sahen sich alle paar Monate – und streiten. Dann zieht er bei ihr ein. Nun sind sich nah, können Konflikte lösen und was sie verbindet, wächst. 

Gott will einziehen, hören wir an Pfingsten. Zusammen geht es anders, besser, schöner. Wenn jemand mich liebt, sagt Jesus: "Mein Vater wird ihn lieben und wir werden bei ihm Wohnung nehmen." Gott will einziehen, hören wir, Gott nimmt Wohnung bei uns, wohnt in uns und wo wir uns bei ihm sammeln. Wie Freunde sich beim Helfen und Feiern kennen und mögen lernen, so ist es mit Gott und uns Christen. Fast nebenbei lernen wir Gott kennen und lieben.  

Und das wirkt: "Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen", sagt Jesus uns. Viel Gutes ist durch uns Christen geschehen. Christen haben das Rote Kreuz erfunden, haben Krankenhäuser gebaut und Kranke gepflegt, auch ohne daran etwas zu verdienen. Was Katharina Kasper im Westerwald und Mutter Theresa in Indien angefangen haben, lebt noch heute. Nun sind wir gefragt.  

Kennen gelernt haben wir Gott in unserer Kindheit. Wir feiern mit ihm, hier in der Kirche, und sie sind schön, die ersten Kinderjahre. Aber im Leben haben viele andere Ziele. Manche sind ganz weit weg. Wenn sie Gott begegnen, ist es ein weiter Weg. Sie sind ihm fremd geworden.  

Was hilft, ist seine Liebe nachahmen: "Liebt einander wie ich euch geliebt habe", sagt Jesus. Es gibt keine größere Liebe als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde. Unser Einsatz hilft. Über Himmelfahrt haben viele in der 72-Stunden Aktion vieles zum Guten verändert. Ein Anfang. Nach wie vor werden wir nicht alles verstehen, was Gott tut. Aber was uns mit ihm verbindet, wächst. 

Kennen gelernt haben wir Gott in unserer Kindheit. Wenn wir ihn lieben und uns an Jesus halten, wird er einziehen, in unsere Gemeinschaft und in unser Leben.  

Halten wir also an seinem Wort fest, „Liebt einander“, dann wird er da sein, wenn wir ihn herbeirufen, dann wird er in uns Wohnung nehmen und diese Nähe wird uns verändern. Sein Geist wird uns prägen. Nach wie vor werden wir nicht alles verstehen, was Gott tut. Aber Konflikte mit ihm können wir lösen und was uns mit ihm verbindet, wächst. 

Er wird bei uns wohnen und bleibt. Sein Geist wird uns prägen. Und es ist schön, wenn wir, wie ein Ehepaar, den Alltag mit ihm gemeinsam bestreiten.


Wie viele schöne und beglückende Momente hat sie uns in den letzten Monaten beschert. Es waren Augenblicke voll des ausgelassenen Jubels und der Freude. Und nun? Scheinbar reichten 36 Minuten aus, um all die Hoffnungen und Sehnsüchte zerplatzen zu lassen und alles in Scherben zu schlagen. Die Rede ist von Eintracht Frankfurt. Das Märchen begann vor ziemlich genau einem Jahr am 19. Mai 2018, als die Helden vom Main den deutschen Pokal in die Höhe recken durften. Es folgten glanzvolle Auftritte in der Bundesliga unter anderem mit einem 7:1 Sieg gegen Düsseldorf oder Traumauftritte im Europapokal. Es schien ganz nah zu sein: Der Traum von der erstmaligen Teilnahme an der Champions League2019/2020. Und dann das 1:6 Debakel bei Bayer Leverkusen am letzten Sonntag Abend. Vielleicht war dies das Ende des Traums der Eintrachtfans. Der Schmerz über die Niederlage schwer, zumal die Chance auf die Qualifikation durch einen Gewinn der Europa League mit der bitteren Niederlage im Elfmeterschießen in London nun auch vertan ist.

In unserem Leben gibt es solche Momente, in denen die ganze Welt still zu stehen bleibt und alles, was man sich bisher aufgebaut hatte, einzustürzen droht. Der Abgrund scheint sich auf zu tun. Man verliert den Glauben an das Gute und an sich selbst. Alles, was bisher richtig schien, scheint nichts mehr wert zu sein.

Auch in unserer Kirche ist ein großer Vertrauens- und Glaubensverlust zu spüren. Viele Menschen wenden der Kirche den Rücken zu. Alte Traditionen und Riten geben keinen Halt mehr. Erschwert wird dies auch durch die Skandale, die in den letzten Jahren immer wieder aufgedeckt wurden. Sei es das Finanzgebarden unseres ehemaligen Bischofs oder die Aufdeckung der zahlreichen Missbrauchsfälle in den letzten Jahrzehnten. Die Enttäuschung macht sich breit, der Frust lässt einen aus der Kirche austreten.

Und doch gibt es auch heute noch Menschen, die sich bewusst für ein Leben als Christ in dieser konkreten katholischen Kirche entscheiden. In den Wochen nach Ostern gehen Kinder zu ihrer heiligen Erstkommunion, so auch morgen bei uns in der Pfarrei Heilig Kreuz Oberlahn im Kirchort St. Michael Mengerskirchen-Probbach. Die Eltern dieser Jungen und Mädchen wurden von niemanden gezwungen, ihr Kind darauf vorzubereiten. Sie taten es aus der freien Entscheidung. Sie sind der festen Überzeugung, dass es sich lohnt, als Christ in dieser Welt zu leben. In den Erstkommuniongottesdiensten unserer Pfarrei lautet das Thema „Wohnung Gottes bei den Menschen.“ Er ist der Architekt unseres Lebens. Er bezieht Wohnung in den Herzen aller, die sich ihm nicht verschließen. Ob wir ihm den Schlüssel zu unserem Herzen anvertrauen oder nicht, liegt in unserer eigenen Entscheidung.

Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, viele kleine Schritte tun, dann können sie das Gesicht der Welt verändern. – So heißt es in einem bekannten Sprichwort aus Afrika. Manch einer tut sich gewiss schwer mit solch einem Gedanken, doch dürfen wir nicht unterschätzen, was wir im Kleinen leisten können. So werden auch im nächsten Monat, vom 23. bis 26. Mai, wieder Kinder, Jugendliche und (junge) Erwachsene sich an der bundesweiten 72-Stunden-Aktion des BDKJ beteiligen. Nach 2009 und 2013 findet diese unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ statt. Durch ihr Engagement werden unterschiedliche soziale, ökologische, interkulturelle oder politische Projekte umgesetzt, so auch in unserem Bistum. Auch einige Gruppen unserer Pfarrei werden in diesen 72 Stunden aktiv viele kleine Schritte tun und so das Gesicht der Welt verändern. Die Kreativität und der Einfallsreichtum der einzelnen Gruppierungen zeigen eine große Bandbreite an Möglichkeiten, aber immer im Mittelpunkt der Projekte steht dabei der Einsatz für andere und mit anderen. Ehrenamtlich wird an den Stellen angepackt, wo Hilfe Not tut und oft finanzielle Mittel fehlen. So geben die Menschen ihrem Glauben Hand und Fuß, denn jeder, der mitmacht, ist vom Himmel geschickt. Am Ende dieser 72 Stunden wird sich das Gesicht des Ortes an dem sie gearbeitet haben; das, der Menschen mit denen sie gemeinsam unterwegs waren oder auch ihr eigenes verändert haben. Sich für andere zu engagieren, ist ein starkes Zeichen, das nicht zu unterschätzen ist. Dadurch kann eine Menge bewegt werden, sei es durch das fertiggestellte Projekt, bei den Teilnehmern aber auch bei den Menschen, die diese Aktion mitbekommen. In vielen kleinen Schritten kann Vieles bewirkt werden, wenn wir es miteinander angehen. So, wie es auch in dem Gospel von Eric Bond heißt: Im „Miteinander spüren wir, wie uns eine Kraft bewegt. Keiner kann allein, […] denn wir sind eine Welt, die nur leben kann […] wenn sie zusammenhält.“ Und so können wir feststellen, dass wir im Miteinander einiges bewirken können – nur zusammen kann es funktionieren. Unsere Zukunft liegt im gemeinsamen Denken und Handeln. Darum fangen wir heute schon an und denken daran: Es müssen nicht die großen Projekte sein, schauen wir lieber dahin, was wir im Kleinen tun können, denn das zeigt dann große Wirkung – bestimmt.