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Wort zum Sonntag

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Wort zum Sonntag
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Jeden Samstag erscheint im Weilburger Tageblatt die Seite "Momente", auf der ein katholischer oder evangelischer Seelsorger oder Seelsorgerin einen geistlichen Impuls in der Rubrik "Moment mal" schreibt.

Hier können Sie die Impulse aus unserem Pastoralteam seit April 2019 nachlesen.

Greta Thunberg – ein Name und jeder weiß, dass es sich hierbei um eine junge Frau handelt, die sich ganz dem Klimaschutz verschrieben hat. Greta Thunberg ist das Gesicht der „Fridays For Future“ Bewegung. Ein anderes Beispiel wäre Kai Wandschneider. Für Wetzlarer Sportfans ist er das Gesicht des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar und dessen Erfolge seit 2012. Und wenn man an den Mauerfall vor 30 Jahren zurückdenkt, ist für viele Menschen Helmut Kohl das Gesicht der deutschen Einheit. Des weiteren steht Mutter Beimer für die Lindenstrasse oder Arnold Schwarzenegger für Actionfilme. Die Liste der Gesichter ließe sich beliebig erweitern.
Ein Verein, eine Bewegung, eine Partei und auch die Kirche braucht Gesichter. Ein Eintrag ins Vereinsregister und eine Satzung ergeben formell einen Verein – aber gelebt wird er erst, wenn Menschen sich mit diesem identifizieren und dieser Gruppierung Leben einhauchen. Wenn Sie mit Ihrem Gesicht für diesen Verein stehen. Und dadurch werden wiederum Andere angesprochen.
So auch im Glauben: Jesus Christus hat Gottes Botschaft ein Gesicht gegeben. In ihm wurde Gott für die Menschen ein sichtbares Gegenüber. Gott war nicht mehr die unbekannte Größe im Himmel, sondern er wurde einer von uns. Der Glaube hat in Jesus ein Gesicht bekommen.
Und in der Kirche heute? Da gibt es den Papst und die Bischöfe, die der Kirche ein Gesicht geben. Doch nicht nur diese sind Repräsentanten der Glaubensgemeinschaft. Jesus hat aus dem einfachen Volk seine Leute ausgewählt. Ihm war es wichtig, dass auch Zöllner oder Fischer ihm folgen können. So lesen wir im 9. Kapitel im Matthäus-Evangelium: „Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: ‚Folge mir nach!‘ Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach.“
Die Kirche braucht wahre, authentische Gesichter, sowohl Hauptamtliche wie Pfarrer oder pastorale Mitarbeiter, als auch ehrenamtliche Menschen, die vom Geist des Glaubens begeistert sind.
Am 9. und 10. November wählen die Katholiken und Katholikinnen im Bistum Limburg ihre neuen Pfarrgemeinderäte (PGR). Das Motto dieser Wahl lautet „Wir geben der Kirche ein Gesicht – Kirche gemeinsam gestalten“. Die Mitglieder des PGR wollen der Kirche vor Ort ein Gesicht geben und sind Dialogpartner und Dialogpartnerinnen der Hauptamtlichen Seelsorger und Seelsorgerinnen. Nur gemeinsam kann man den Weg des Glaubens und der Kirche gehen – besonders in Zeiten, da der Gegenwind einem stark um die Nase weht.
Es tut gut, wenn man merkt, dass man in seinem Tun Rückendeckung der Anderen bekommt. So lade ich Sie ein, sofern Sie katholisch und mindestens 16 Jahre alt sind: Nehmen Sie Ihr Wahlrecht wahr und geben Sie Ihren Wunschkandidaten und Wunschkandidatinnen Ihre Stimme. Denn diese werden dann neben Pfarrer und pastoralen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auch für Sie das Gesicht Ihrer Pfarrei.

Jedes Jahr feiern wir um diese Zeit das Erntedankfest. Die Kirche erinnert uns damit an das Danken. Sie erinnert uns, dass es nicht selbstverständlich ist, etwas zu essen zu haben. Wir wissen, viele Menschen in der Dritten Welt hungern. Jedes Jahr werden wir erinnert, dass wir Gott danken müssen für die Gaben, die er uns geschenkt hat, die letztendlich von Gott kommen.
Ein katholischer Spruch lautet: „Der dankbare Mensch kommt in den Himmel, der undankbare geht für immer verloren.“ Schon den Kindern wollen wir das Danken lernen.
Dieses Jahr war die Ernte nicht so ertragreich wie erhofft. Die Bauern haben auf Regen gewartet. Wir können Regen nicht machen. Wenn es daher einige Monate nicht regnet, ist das für die Ernte eine große Katastrophe und es hat Folgen. In unserer Wohlstandsgesellschaft sind wir Gott sei Dank von Hungersnot nicht bedroht, doch wollen wir gerade deshalb das Danken nicht vergessen. Man kommt aber erst dann auf diesen Gedanken, wenn man nachdenkt. Die Wörter „Denken und danken“ unterscheiden sich nur durch einen Buchstaben. Sie stehen wirklich in Beziehung zueinander. Ich muss zuerst denken, nachdenken. Ich weiß dann auch, wenn ich denke, dass es Gott ist, der lebt und Leben gibt, dass es Gott ist, der den Regen und den Sonnenschein macht. Gott ist es, der uns das tägliche Brot gibt. Im Vater unser beten wir es: „gib uns unser tägliches Brot.“
Wenn ich denke, werde ich auch dann zum Ergebnis kommen, Gott dafür zu danken. Uns ist oftmals das „Bitte“ und „Danke“ abgekommen. Ist dies nicht ein Hinweis, dass auch das Denken in dieser Richtung immer mehr abkommt? Alles ist so selbstverständlich geworden. An jedem Tag steht selbstverständlich das Essen auf dem Tisch, und wir vergessen oft das Danken.
Das Erntedankfest kommt daher, weil der Mensch denkt! Er denkt nach und kommt zum Ergebnis: Alles ist von Gott. Nicht der Natur verdanken wir die Ernte. Auch die Natur ist Gottes Geschöpf. Auch sie ist abhängig von Gott und gibt Zeugnis von Gott. Auch das Tischgebet ist Ausdruck dafür, dass wir Gott danken für die Speise, die wir so selbstverständlich jeden Tag verzehren. Führen Sie das Tischgebet wieder ein, wenn es abgeschafft wurde! 
Wir wollen uns den Spruch zu Herzen nehmen: Der dankbare Mensch kommt in den Himmel, der undankbare geht für immer verloren. Der hl. Paulus drückt es, wie gesagt, so aus: „Habt Liebe, das Band, das euch zur vollen Gemeinschaft zusammenschließt und seid dankbar.“

Ich bin Vater geworden, sagt Paulus, Vater im Glauben. Onesimus und Paulus haben viel Zeit füreinander – im Gefängnis. Onesimus dient Paulus, und Paulus führt ihn zum Glauben. Onesimus ist Sklave und gehört Philemon. Er ist weggelaufen. 
Paulus kennt Philemon – auch der ist Christ. Von Rechts wegen muss Onesimus sofort zu seinem Besitzer und der darf machen, was er will. Paulus pocht nicht auf moralische Gebote. Paulus bittet und zeigt, was er fühlt: Was Philemon, Paulus und Onesimus verbindet, ist stärker als Gesetze. Wir Brüder in Christus lieben uns, sagt Paulus. Das trägt und überwindet Grenzen.
Väter und Mütter im Glauben sind auch wir, Brüder und Schwestern, die sich lieben, sind wir Christen. 
Väter und Mütter sind auch Väter und Mütter im Glauben. Unseren Kindern zeigen wir die Welt des Glaubens. Dass wir uns auf Gott verlassen, prägt. Wir nehmen sie mit in ein Leben, das da seinen Halt und seine Wurzel hat.
Ich bin Vater geworden, Vater, Bruder oder auch Freund im Glauben. Zwei Erwachsene habe ich in den letzten Monaten auf ihre Firmung vorbereitet. Wenn die jungen Leute Interesse haben, mache ich das gern. „Vater im Glauben“ ist „zusammen den Weg suchen“, ist mitgehen, hinhören, erklären, erzählen und verstehen, und schließlich miteinander nachdenken und beten.
Auch eine Pfarrei braucht Menschen, die einstehen für unser Miteinander. In den nächsten Wochen suchen wir in den katholischen Gemeinden Personen, die wie Vater und Mutter, andere gern haben. Geeignet ist, wer wie Bruder oder Schwester, im Glauben begleiten möchte. Wer sich zur Wahl stellt, kann mitgestalten. Wer diese Aufgabe übernimmt, wird zusammen mit dem Pfarrer unsere Pfarrei leiten. Wir suchen Menschen, die neue Wege finden für unsere neue Pfarrei, die mal voran-, mal mitgehen und manchmal auch hinterher.
Doch jeder achte darauf, wo er hinpasst, in den zentralen Pfarrgemeinderat, in einen Ausschuss für Dinge vor Ort oder in eine Gruppe, die sich kümmert um Kinder, um Jugendliche, um Kranke oder Alte. 
Auf welche Weise bin ich Vater im Glauben oder Freundin, die im Glauben mitgeht? Wie will ich es sein?
Für Paulus ist das wichtiger als vieles andere.

Am Dienstag dieser Woche, dem 13. August, haben wir uns wieder daran erinnert: der Beginn des Mauerbaus in Berlin. Im Herbst werden wir dann an den Fall dieser Grenze denken, die Deutschland und Europa über Jahrzehnte hinweg geteilt und in verschiedene Blöcke eingeteilt hat. Aus Angst um die eigene Existenz wurde diese Mauer errichtet, um den Fortbestand der DDR zu sichern. Und dafür ist die Mauer ein Symbol: die Angst vor dem Anderen, die Angst um sich selbst. Aus dieser Angst heraus errichten wir viele Mauern. Vorurteile, Verdächtigungen und Vorwürfe sind oft die Grundsteine dafür. Diese Angst hat in Minderwertigkeitsgefühlen und der Furcht vor Benachteiligung ihren Zement gefunden. Dann setzen wir diese Haltung fest und schauen nur noch auf uns, auf unser eigenes Wohl und ziehen unser Ding durch, schließlich könnten wir ja zu kurz kommen.
Einen Tag später, am 14. August, stand das Lebenszeugnis eines Mannes im Gedenken der Kirche, der eine Mauer eingerissen hat: Maximilian Kolbe. Er war der Mann im Konzentrationslager Auschwitz, der die Mauer des Egoismus überwunden hat, dem das Schicksal eines Mitgefangenen so zu Herzen ging, dass er für diesen Familienvater in den Hungerbunker gegangen ist. Sein Glaube und damit sein Wissen, dass er in Gott geborgen ist, haben ihn dazu befähigt. Wer glaubt hat die Erfahrung gemacht, dass diese Angst um sich selbst überwindbar ist. Dann müssen wir nicht mehr aus dieser Angst unmenschlich handeln, sondern sind bereit zu echter Liebe, zu wirklicher Hingabe. Dann steht nicht mehr unser kleines „Ich“ im Vordergrund, viel mehr sieht die Liebe auf das Wohl des Mitmenschen und auf das Bezeugen dieser Liebe, aus der man Kraft für den Alltag schöpfen kann. Letztlich ist es die Liebe, die Mauern überwinden kann.
Auch wenn die Mauer aus Steinen abgebrochen ist, die Mauern in den Köpfen und in den Herzen existieren noch und werden scheinbar in unseren Tagen wieder aufgestockt. Der Blick auf das eigene Wohl hat Hochkonjunktur, die Verbundenheit mit allen nimmt immer mehr ab. Kälte macht sich breit, innerlich wie äußerlich wird aufgerüstet, sehr oft mit verletzenden Aussagen. Dies muss nicht Bestand haben, ja dies darf nicht der Dauerzustand einer menschlichen Gesellschaft bleiben. Diese Mauern, die nur zu einer vorgespielten Sicherheit führen, sind von sehr kurzer Dauer und werden irgendwann von außen eingerissen. Wirkungsvoller ist es, sie selber niederzulegen, innerlich abzurüsten und mit Hilfe der Liebe aus den Steinen der Mauern Brücken entstehen zu lassen, die den Weg zum Mitmenschen erleichtern. Dann würden wir uns im Herbst an etwas erinnern, was durch uns in der Gegenwart erfahrbar wird: Mauern fallen, Begegnung ist möglich.
Das wünscht Ihnen Pfr. Hans Mayer

Als Pfarrer mache ich gerne Hausbesuche, vorher zeitlich abgesprochen oder auch spontan.

Was passiert im Haus, wenn ich ohne Absprache komme? Auch als überraschender Gast werde ich in der Regel freundlich empfangen. „Ach, das ist aber eine Überraschung, dass sie uns besuchen.“ Meistens kommt es auf einmal zum Gesprächsaustausch und der Besuchte, oder die besuchte Familie, stellen Wasser, Saft oder Kaffee auf den Tisch mit ein paar Kekse.

Das nennen wir „Gastfreundschaft“. Wer selbst Gast war, weiß wie gut das tut.
Was passiert, wenn ich als spontaner Gast, nicht einen, sondern zwei Menschen antreffe? Meistens ist es dann so, dass dann einer Gesprächspartner bleibt und der andere bedient. Eine solche Szene wird uns in der Bibel, im Lukas-Evangelium, berichtet: Jesus ist Gast bei zwei Schwestern, bei Marta und Maria. Marta ist die, die Jesus bedient. Maria hört Jesus zu. Marta beklagt sich nach einiger Zeit bei Jesus: „Maria überlässt mir allein die ganze Arbeit. Das finde ich nicht in Ordnung.“ Wie darauf Jesus reagiert, ist nicht leicht zu verstehen: der gute Teil, den Maria erwählt hat, Jesus zuzuhören, wird ihr nicht genommen werden.

Beide, Marta und Maria, haben für sich eine Entscheidung getroffen, als Jesus vor der Tür stand. Zuhören und Dienen. Beides sind gute und richtige Entscheidungen.

In Marta regt sich nach einiger Zeit das Gefühl: Ich werde ungerechnet behandelt. Die ganze Arbeit bleibt an mir hängen. Bei uns heute im alltäglichen Leben oder im Berufsleben sind es meist andere Gründe, aber das Gefühl ist das gleiche: Ich werde ungerecht behandelt.
Immer wieder werde ich für die unangenehme Arbeit eingeteilt, während mein Kollege die feinere Arbeit machen darf. Der nächste Gefühl- und Gedankenschritt ist dann: Es muss jemand anderes dran schuld sein, dass ich benachteiligt werde. Ist der eigene Eindruck immer der richtige? Lassen wir uns dabei nicht zu sehr vom Gefühl leiten? 

In der biblischen Geschichte von den zwei Schwestern scheint es Jesus um mehr zu gehen als die Sorge der Marta um gute Gastfreundschaft. Es geht um das Gefühl der Benachteiligung.
Sind immer andere dafür verantwortlich?
Das Empfinden benachteiligt zu sein, belastet das nicht auf die Dauer das Verhältnis zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst?
Viele Sorgen und Mühen werden uns erspart, wenn wir versuchen zuerst das Gute im anderen Menschen zu sehen und gut von ihm zu denken, soweit es uns möglich ist. 
Unsere Freundschaften und Beziehungen werden dann gut oder wieder gut. Beten wir für diejenigen, die sich benachteiligt fühlen, dass sie neue Auswege und Deutungswege finden, z.B. ein klärendes Gespräch.
Denken wir an die, die wirklich benachteiligt sind, dass sie echte Gerechtigkeit erfahren.

Die schönste Zeit im Leben ist jetzt, bestätigen die beiden. Sie haben ihrem gemeinsamen Freund beim Umzug geholfen, haben seinen Geburtstag gefeiert, kennen und mögen sich. Doch sie wohnten weit auseinander, sahen sich alle paar Monate – und streiten. Dann zieht er bei ihr ein. Nun sind sich nah, können Konflikte lösen und was sie verbindet, wächst. 

Gott will einziehen, hören wir an Pfingsten. Zusammen geht es anders, besser, schöner. Wenn jemand mich liebt, sagt Jesus: "Mein Vater wird ihn lieben und wir werden bei ihm Wohnung nehmen." Gott will einziehen, hören wir, Gott nimmt Wohnung bei uns, wohnt in uns und wo wir uns bei ihm sammeln. Wie Freunde sich beim Helfen und Feiern kennen und mögen lernen, so ist es mit Gott und uns Christen. Fast nebenbei lernen wir Gott kennen und lieben.  

Und das wirkt: "Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen", sagt Jesus uns. Viel Gutes ist durch uns Christen geschehen. Christen haben das Rote Kreuz erfunden, haben Krankenhäuser gebaut und Kranke gepflegt, auch ohne daran etwas zu verdienen. Was Katharina Kasper im Westerwald und Mutter Theresa in Indien angefangen haben, lebt noch heute. Nun sind wir gefragt.  

Kennen gelernt haben wir Gott in unserer Kindheit. Wir feiern mit ihm, hier in der Kirche, und sie sind schön, die ersten Kinderjahre. Aber im Leben haben viele andere Ziele. Manche sind ganz weit weg. Wenn sie Gott begegnen, ist es ein weiter Weg. Sie sind ihm fremd geworden.  

Was hilft, ist seine Liebe nachahmen: "Liebt einander wie ich euch geliebt habe", sagt Jesus. Es gibt keine größere Liebe als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde. Unser Einsatz hilft. Über Himmelfahrt haben viele in der 72-Stunden Aktion vieles zum Guten verändert. Ein Anfang. Nach wie vor werden wir nicht alles verstehen, was Gott tut. Aber was uns mit ihm verbindet, wächst. 

Kennen gelernt haben wir Gott in unserer Kindheit. Wenn wir ihn lieben und uns an Jesus halten, wird er einziehen, in unsere Gemeinschaft und in unser Leben.  

Halten wir also an seinem Wort fest, „Liebt einander“, dann wird er da sein, wenn wir ihn herbeirufen, dann wird er in uns Wohnung nehmen und diese Nähe wird uns verändern. Sein Geist wird uns prägen. Nach wie vor werden wir nicht alles verstehen, was Gott tut. Aber Konflikte mit ihm können wir lösen und was uns mit ihm verbindet, wächst. 

Er wird bei uns wohnen und bleibt. Sein Geist wird uns prägen. Und es ist schön, wenn wir, wie ein Ehepaar, den Alltag mit ihm gemeinsam bestreiten.


Wie viele schöne und beglückende Momente hat sie uns in den letzten Monaten beschert. Es waren Augenblicke voll des ausgelassenen Jubels und der Freude. Und nun? Scheinbar reichten 36 Minuten aus, um all die Hoffnungen und Sehnsüchte zerplatzen zu lassen und alles in Scherben zu schlagen. Die Rede ist von Eintracht Frankfurt. Das Märchen begann vor ziemlich genau einem Jahr am 19. Mai 2018, als die Helden vom Main den deutschen Pokal in die Höhe recken durften. Es folgten glanzvolle Auftritte in der Bundesliga unter anderem mit einem 7:1 Sieg gegen Düsseldorf oder Traumauftritte im Europapokal. Es schien ganz nah zu sein: Der Traum von der erstmaligen Teilnahme an der Champions League 2019/2020. Und dann das 1:6 Debakel bei Bayer Leverkusen am letzten Sonntag Abend. Vielleicht war dies das Ende des Traums der Eintrachtfans. Der Schmerz über die Niederlage schwer, zumal die Chance auf die Qualifikation durch einen Gewinn der Europa League mit der bitteren Niederlage im Elfmeterschießen in London nun auch vertan ist.

In unserem Leben gibt es solche Momente, in denen die ganze Welt still zu stehen bleibt und alles, was man sich bisher aufgebaut hatte, einzustürzen droht. Der Abgrund scheint sich auf zu tun. Man verliert den Glauben an das Gute und an sich selbst. Alles, was bisher richtig schien, scheint nichts mehr wert zu sein.

Auch in unserer Kirche ist ein großer Vertrauens- und Glaubensverlust zu spüren. Viele Menschen wenden der Kirche den Rücken zu. Alte Traditionen und Riten geben keinen Halt mehr. Erschwert wird dies auch durch die Skandale, die in den letzten Jahren immer wieder aufgedeckt wurden. Sei es das Finanzgebarden unseres ehemaligen Bischofs oder die Aufdeckung der zahlreichen Missbrauchsfälle in den letzten Jahrzehnten. Die Enttäuschung macht sich breit, der Frust lässt einen aus der Kirche austreten.

Und doch gibt es auch heute noch Menschen, die sich bewusst für ein Leben als Christ in dieser konkreten katholischen Kirche entscheiden. In den Wochen nach Ostern gehen Kinder zu ihrer heiligen Erstkommunion, so auch morgen bei uns in der Pfarrei Heilig Kreuz Oberlahn im Kirchort St. Michael Mengerskirchen-Probbach. Die Eltern dieser Jungen und Mädchen wurden von niemanden gezwungen, ihr Kind darauf vorzubereiten. Sie taten es aus der freien Entscheidung. Sie sind der festen Überzeugung, dass es sich lohnt, als Christ in dieser Welt zu leben. In den Erstkommuniongottesdiensten unserer Pfarrei lautet das Thema „Wohnung Gottes bei den Menschen.“ Er ist der Architekt unseres Lebens. Er bezieht Wohnung in den Herzen aller, die sich ihm nicht verschließen. Ob wir ihm den Schlüssel zu unserem Herzen anvertrauen oder nicht, liegt in unserer eigenen Entscheidung.

Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, viele kleine Schritte tun, dann können sie das Gesicht der Welt verändern. – So heißt es in einem bekannten Sprichwort aus Afrika. Manch einer tut sich gewiss schwer mit solch einem Gedanken, doch dürfen wir nicht unterschätzen, was wir im Kleinen leisten können. So werden auch im nächsten Monat, vom 23. bis 26. Mai, wieder Kinder, Jugendliche und (junge) Erwachsene sich an der bundesweiten 72-Stunden-Aktion des BDKJ beteiligen. Nach 2009 und 2013 findet diese unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ statt. Durch ihr Engagement werden unterschiedliche soziale, ökologische, interkulturelle oder politische Projekte umgesetzt, so auch in unserem Bistum. Auch einige Gruppen unserer Pfarrei werden in diesen 72 Stunden aktiv viele kleine Schritte tun und so das Gesicht der Welt verändern. Die Kreativität und der Einfallsreichtum der einzelnen Gruppierungen zeigen eine große Bandbreite an Möglichkeiten, aber immer im Mittelpunkt der Projekte steht dabei der Einsatz für andere und mit anderen. Ehrenamtlich wird an den Stellen angepackt, wo Hilfe Not tut und oft finanzielle Mittel fehlen. So geben die Menschen ihrem Glauben Hand und Fuß, denn jeder, der mitmacht, ist vom Himmel geschickt. Am Ende dieser 72 Stunden wird sich das Gesicht des Ortes an dem sie gearbeitet haben; das, der Menschen mit denen sie gemeinsam unterwegs waren oder auch ihr eigenes verändert haben. Sich für andere zu engagieren, ist ein starkes Zeichen, das nicht zu unterschätzen ist. Dadurch kann eine Menge bewegt werden, sei es durch das fertiggestellte Projekt, bei den Teilnehmern aber auch bei den Menschen, die diese Aktion mitbekommen. In vielen kleinen Schritten kann Vieles bewirkt werden, wenn wir es miteinander angehen. So, wie es auch in dem Gospel von Eric Bond heißt: Im „Miteinander spüren wir, wie uns eine Kraft bewegt. Keiner kann allein, […] denn wir sind eine Welt, die nur leben kann […] wenn sie zusammenhält.“ Und so können wir feststellen, dass wir im Miteinander einiges bewirken können – nur zusammen kann es funktionieren. Unsere Zukunft liegt im gemeinsamen Denken und Handeln. Darum fangen wir heute schon an und denken daran: Es müssen nicht die großen Projekte sein, schauen wir lieber dahin, was wir im Kleinen tun können, denn das zeigt dann große Wirkung – bestimmt.