27.04.2017

Kirchengeschichte

50 Jahre Christkönig-Kirche Gräveneck ...

50 Jahre Christkönig-Kirche Gräveneck

Neue Kirche

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs mussten Millionen Menschen ihre angestammte Heimat in den deutschen Ostgebieten, häufig unter unmenschlichen Bedingungen, verlassen. Von den etwa 13.000 Vertriebenen, die in den ehemaligen Oberlahnkreis gebracht wurden, fanden etwa 200 Aufnahme in Gräveneck. Die überwiegend katholischen Flüchtlingsfamilien, die in Gräveneck eingewiesen wurden, kamen zumeist aus Böhmen, Mähren, Schlesien und Ungarn. Nach der Einrichtung des Lastenausgleichsgesetzes, mit dem Vermögensverluste durch die Vertreibung zumindest materiell abgemildert wurden, verbesserten sich die Lebensbedingungen deutlich.

Neue Kirche?

Während sich die wirtschaftliche Situation der Vertriebenen stetig verbesserte, bestanden im religiösen Leben weiterhin große Schwierigkeiten. Die Katholiken von Gräveneck waren der Pfarrei Weilburg angeschlossen. Nur zweimal im Monat konnte Pfarrer Freiburg einen Sonntagsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Gräveneck halten. An den übrigen Sonntagen liefen oft mehrere Dutzend Katholiken zu Fuß von Gräveneck nach Weilburg und wieder zurück. Immer drängender wurde daher der Wunsch, zumindest einen Gemeinschaftsraum oder eine Kapelle in Gräveneck zu errichten.

Der Bau beginnt

Am 5.2.1956 gründeten die Mitglieder des Kirchenvorstandes, unter dem Vorsitz von Leopold Thume, einen Kirchenbaufonds. Viele Kollekten und Haussammlungen schlossen sich an. Pfarrer Freiburg unterstützte das Vorhaben nach besten Kräften. Am 4.5.1956 konnte das am Aukopf gelegene Baugrundstück erworben werden. Im Sommer 1957 wurde nach Plänen von Prof. R. Schwarz, Frankfurt, mit dem Bau eines Gemeindesaales mit Pfarrwohnung begonnen. Die Erdarbeiten wurden kostenlos von rd. 30 Arbeitern des Kath. Bauordens Leiwen aus Belgien ausgeführt; die Rohbauarbeiten übernahm die Grävenecker Baufirma Heinrich Kissel.

Pfarrvikarie Gräveneck

Mit der Verordnung von Bischof Wilhelm von Limburg vom 24.9.1958 wurden die Katholiken der Orte Gräveneck, Gaudernbach, Hasselbach, Schupbach, Heckholzhausen, Wein-bach und Wirbelau zur Pfarrvikarie Gräveneck zusammengeschlossen. Die Leitung der Pfarrvikarie wurde Pfarrer Johannes Klein übertragen. Am 31.8.1958 konnte der erste Gottesdienst in dem neu errichteten Gemeindesaal gefeiert werden. Das religiöse Leben in der Pfarrgemeinde blühte auf. Pfarrer Klein hielt drei Sonntagsgottesdienste, die immer gut besucht waren. An Feiertagen war der Gemeindesaal regelmäßig überfüllt. Es wurde immer deutlicher, dass dieser Raum nur eine Übergangslösung sein konnte. Immer drängender wurde der Wunsch nach einer eigenen Kirche.

Die neue Kirche

Im Oktober 1964 konnte endlich mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen werden. Nach der Grundsteinlegung am 11.4.1965 konnte am 29.10.1966 die neue Christkönig-Kirche von Weihbischof Walter Kampe geweiht werden. In seiner Predigt führte der Weihbischof aus: "Es ist wohl das erhebendste Gefühl im Leben eines Seelsorgers, wenn nach der Wandlung erstmals das ewige Licht in einer neuen Kirche entzündet wird". Die musikalische Gestaltung der Gottesdienste erfolgte mit einem von Pfarrer Leibold, Waldernbach, ausgeliehenen Harmonium. Im Jahre 1980 wurde eine neue elektronische Orgel aus Spenden der Gemeinde angeschafft. Aus Kostengründen war auf die Anschaffung einer Pfeifenorgel verzichtet worden.Am 24.10.1971 wurde eine neue Bronzeglocke (Ton cis) von Msgr. Kubek im Rahmen des Kirchweihfestes geweiht. Die Glocke trägt die Inschrift: "Frieden durch Gerechtigkeit" und leistet bis heute ihren Dienst.

1958 - 2005 Pfarrer von Gräveneck: Johannes Klein

Am 5.7.1987 konnte Pfarrer Johannes Klein sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Am 1.8.1987 trat er in den verdienten Ruhestand. Von Bezirksdekan Alois Staudt wurde am 16.8.1987 der Weilburger Pfarrer Albert Keller auch als Pfarrer von Gräveneck eingeführt. Noch für einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren konnte Pfarrer Klein weiterhin zwei Sonntagsgottesdienste übernehmen. Er starb am 1.5.2005 im Alter von fast 95 Jahren. Sein Name wird für alle Zeit untrennbar mit unserer Pfarrgemeinde verbunden bleiben.

Ein Ausblick

Pfarrer Albert Keller wurde nach seinem Ruhestand am 1.10.2002 von Pfarrer Hans Mayer abgelöst, der dieses Amt bis heute ausfüllt. Auch die Kath. Kirchengemeinde Christkönig Gräveneck kann sich der allgemeinen Entwicklung nicht entziehen. In einer Zeit, wo Egoismus, Anspruchsdenken, Besitzstandsmehrung, Selbstverwirklichung und Vergnügungssucht um sich greifen, bleibt wenig Raum für kirchliche und religiöse Wertvorstellungen. Die Sonntagsgottesdienste sind schlecht besucht und Kirchenaustritte häufen sich. Nur noch bei Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen wird die Kirche gebraucht, um einen würdigen Rahmen zu geben. Doch die Kirche kann nur leben vom Mitwirken und dem Engagement aller ihrer Mitglieder. In dieser Hinsicht können die Menschen, die den Bau der Kirche geleistet haben, heute ein Vorbild sein.? Josef Saal

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