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Blick ins Archiv: Firmung 1950 in Weilmünster

Erste Firmung nach der Reformation in der evangelischen Kirche Weilmünster durch Bischof Kempf
Blick ins Archiv: Firmung 1950 in Weilmünster
Blick ins Archiv: Firmung 1950 in Weilmünster
Mit einem Transparent „Herzlich Willkommen“, umrahmt mit den Kirchenfahnen, wurde der Limburger Bischof Dr. Wilhelm Kempf begrüßt © Josef Plahl

Bedeutendes Ereignis vor 70 Jahren in Weilmünster

© Josef PlahlBischof Wilhelm Kempf und Pfarrer Josef Kubek

Der 24. Mai 1950 war im Marktflecken Weilmünster ein denkwürdiger Tag. An diesem Tag fand in der evangelischen Kirche eine Firmung durch Bischof Dr. Wilhelm Kempf, Diözesanbischof von Limburg, statt. Nach Einführung der Reformation im 15. Jahrhundert war dies ein besonderes Ereignis.

Da der 24. Mai 1950 ein Wochentag war, hatte der damalige Bürgermeister Albert Benz die Bevölkerung gebeten, aus Anlass des Aufenthalts des Limburger Bischofs wie üblich an Wochenenden die Straße zu kehren. Der Bürgermeister hatte den Bischof auch zu einem besonderen Empfang in dem  Rathaussaal eingeladen.

Die Firmung ist eines der sieben Sakramente der Katholischen Kirche und wird grundsätzlich von einem Bischof gespendet. In Ausnahmefällen kann der Bischof auch einen Priester zur Spendung der Firmung beauftragen. Sie wird an Jugendlichen und Erwachsenen gespendet.

Warum war in Weilmünster eine Firmung notwendig

Der Marktflecken und die umliegenden Ortschaften waren seit Jahrhunderten evangelisch. Man muss auf das Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 zurückblicken. Bei der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 wurde der Beschluss gefasst, die Deutschen aus den ehemals deutschen Ländern östlich der Oder und Neiße, aus dem Sudetenland, aus Ungarn und aus den übrigen deutschen  Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa  zu vertreiben. Aufnahmeländer waren damals die amerikanische, die britische und die russische Besatzungszonen.

Nach Weilmünster und in den damaligen Oberlahnkreis kamen  Vertriebene aus dem Sudetenland, die überwiegend katholisch waren. Der Anteil der Vertriebenen an der Wohnbevölkerung in Weilmünster und in den umliegenden Ortschaften lag zwischen 14 und 31 Prozent.

© Josef PlahlBischof Kempf inmitten der Gläubigen

Um die katholischen Vertriebenen seelsorglich zu betreuen, wurde im Herbst 1946 in Weilmünster eine Seelsorgestelle errichtet. Seelsorger war ein Pfarrer aus Schlesien. Im Mai 1948 übernahm Pfarrer Josef Kubek die Seelsorge für Weilmünster und für neun Ortschaften. Bis zum Bau der katholischen Kirche am Pfaffenberg fanden die Gottesdienste wie auch die Firmung in der evangelischen Kirche statt. 

In der Heimat im Sudetenland hatte die Firmung einen besonderen Stellenwert. Der Tag der Firmung wurde wie ein Feiertag begangen. Der Firmpate führte den Firmling zur Firmung durch den Bischof. Dieser firmte ihn mit dem Vornamen des Paten. Natürliche erhielt der Firmling vom Firmpaten ein Geschenk. 

In Weilmünster wurden nicht nur Jugendliche gefirmt, sondern auch eine stattliche Zahl von Erwachsenen, die wegen des Krieges und der Vertreibung in der Heimat nicht gefirmt werden konnten. Gefirmt wurden fast 150 Jugendliche, Frauen und Männer.

Josef Plahl